Zeitgemäss-modern statt altbacken- ohne dich verkleidet oder zwangsjugendlich zu fühlen

Eine der Fragen, die mir sehr häufigsten gestellt wird:

"Ingrid, mein Look wirkt ein bisschen altbacken. Wie komme ich da raus, wenn es altersgemäss und sicher nicht trendy sein soll?"

Viel zu häufig ehrlich gesagt. Denn wenn ich ein bisschen nachhake, kommt oft noch etwas ganz anderes zum Vorschein: Die Angst, was andere Menschen denken mögen. Das es "zu viel" sein könnte. Das andere denken könnten: "was glaubt sie, wer sie ist?"

Im deutschsprachigen Raum ist uns Unauffälligkeit kulturell eingebläut worden. Dabei merken wir oft nicht, dass es genau das ist, was uns langweilt und warum wir uns in unseren Outfits so 08/15 fühlen.

Gleichzeitig bewundern wir französische und italienische Frauen für ihre Stilsicherheit.
Der grösste Unterschied? Die kulturelle Haltung.
Das oberste Gebot ist dort nicht "bloß nicht auffallen", sondern: "Ich weiss wer ich bin und das zeige ich auch."
Und wenn es nur Details am Outfit sind - wir spüren, dass wir hier eine selbstbewusste Frau vor uns haben, keine graue Maus.

Leider kommt erschwerend hinzu: Je älter wir werden, desto mehr drängt sich dieses "Ich darf nicht auffallen" in den Vordergrund. Dabei sollte es doch genau andersherum sein!

Also lass uns das verinnerlichen: Ich bin eine erwachsene Frau. Ich weiß, was ich will. Und das darf man sehen.

Modern aussehen statt altbacken wirken.
Die wichtigsten Styling-Tipps

Du siehst übrigens: Ich meide das Wort zeitlos, denn kein Kleidungsstück ist wirklich zeitlos.
Eine Farbe ist es vielleicht. Ein Stoff vielleicht, aber kein Schnitt und erstrecht kein ganzes Kleidungsstück, welches ja die Summe dieser Elemente ist. Daher meide ich diesen Marketing-Sprech und benenne es wie es ist:

Wir wollen (zumeist) zeitgemäss-modern ausschauen. Nicht trendy, sondern unserer Zeit entsprechend.

1. Vergiss Farbtrends – achte auf Schnitte

Farbtrends machen einen Look weder modern noch altbacken. Ausserdem ändern sie viel zu schnell und wir haben besseres zu tun, als diese Schwankungen zu beobachten.
Die moderne Wirkung liegt viel eher in den Silhouetten und Schnitten, also in Weiten und Längen. Wenn du das nächste Mal shoppen gehst, kauf nicht automatisch dieselbe Hose, denselben Blazer, denselben Pulli wie immer, sondern schaue ganz bewusst: Was hat sich bei den Weiten und Längen verändert?

Schnitte haben sich in den letzten Jahren massiv verändert: weiter, relaxter, bequemer.
Beispiel: Ein moderner Blazer ist nicht mehr die enge Zwangsjacke von früher. Er ist lässig geschnitten und bringt sofort Modernität. Ganz besonders, wenn du länger keine Blazer mehr getragen hast, kann das plötzlich eine tolle Übergangsjacke sein und viel angezogener, frischer und selbstbewusster wirken als dein alter Cardigan.
Und den neuen Schnitt kaufst du in deiner Lieblingsfarbe, denn:

2. Die Eine-Sache-Regel für zeitloses Aussehen

Bei etwas Neuem: Ändere nur EINE Sache – entweder Schnitt ODER Farbe. Nicht gleich beides. Kombiniere das neue Teil mit deinen Lieblingsteilen. So fühlt es sich nicht fremd an.
Auch wenn die vorher-nachher-Makeover-Industrie uns etwas anderes verkaufen möchte: Ein neuer Stil entwickelt sich Schritt für Schritt und fühlt sich deshalb auch nicht verkleidet an.

3. Styling ist Gewohnheit

Zehn Jahre nur Jeans getragen? Dann fühlt sich jede noch so bequeme Stoffhose erstmal komisch an. Völlig normal. Deshalb: probiere regelmäßig Neues an und schaue, wie sich das anfühlt. Du musst ja nicht gleich kaufen, aber dein Auge will dich in neuen Teilen sehen, um sich daran zu gewöhnen.

4. Mut zum Muster – der unterschätzte Game-Changer

Viele Frauen fürchten Muster als schwierig kombinierbar. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ein Muster gibt dir bereits vor, welche Farben dazu passen – nämlich die, die im Muster enthalten sind.

Muster lockern ein Outfit auf. Es wirkt nicht blockig, nicht statisch, sondern oft leichter als Uni-Teile. Wem es schnell zu romantisch wird: Setze auf geometrische Muster wie Streifen, Karos, Rauten, Zickzack oder Punkte. In deinen Lieblingsfarben bleibst du in der Komfortzone und lockerst dein Outfit sofort auf.

Grafische Muster sind übrigens tatsächlich zeitlos.

5. Moderne, zeitgemässe Kleidung finden. Wo shoppst du?

Auch so eine Gewohnheit: Wir shoppen gern jahrzehntelang dieselben Brands und landen daher immer wieder bei denselben Looks. Ja, als "modern" bezeichnen sie sich alle, aber glaub' mir: Viele Brands haben mehr noch mehr Angst vor Mode, als die Kundin hat aufzufallen.

"Das ist nicht "konsumig" genug" - Soll heissen: Das ist weder schwarz noch blau, das können wir in Deutschland nicht verkaufen.

"Das versteht die Kundin (noch) nicht" - Soll heissen: Das ist zu modern, lieber wieder altbacken.

"Letztes Jahr haben wir bordeaux super verkauft" - Soll heissen: Lieber wiederholen, als etwas Neues zu probieren.

Das sind die Sätze, die ich als Designerin in Kollektionsmeetings hundertfach gehört habe und die ein Designteam regelmässig auf die Palme bringen. Auch die Modeindustrie will gern "immer auf der sicheren Seite" bleiben und füttert damit den Kreislauf der Langweiligkeit und blödestenfalls zu einer altbackenen Kollektion.

Lange Rede kurzer Tipp:

Vielleicht ist es Zeit, dass du dich nach neuen Brands umschaust. Welche Marken führen die schönen Boutiquen und Kaufhäuser noch, die du immer mal beäugt hast, aber vorschnell (damals, als du noch Angst hattest, man könnte dich sehen) verworfen hast? Womöglich (wahrscheinlich!) sind die ja doch etwas für dich! Einfach anprobieren.

6. Starte mit Accessoires

Ein grosses Kleidungsstück als Eyecatcher fühlt sich noch fremd an? Dann starte mit Accessoires. Ein knallroter Schal, knallroter Handschuh (WOW!!) oder Ballerinas setzen sofort ein Statement und fühlen sich leichter an, als ein knallroter Pulli.

Extratipp:
Kombiniere deine Lieblingsfarbe mit allem,- jawohl mit allem! Lass' deine roten Schuhe mutig alleine als roten Hingucker im Outfit stehen. Überhaupt keine Notwenigkeit, das Rot im Outfit zu wiederholen oder nur noch warme oder kalte Töne zu kombinieren. Genau diese Gedanken der Überkorrektheit sind es, die ein Outfit "unlocker" bis sogar altbacken machen können.

7. Der Spiegel sagt nicht immer die Wahrheit

Frag dich nicht:
"Bin ich das?" In diesem Moment denkst du wahrscheinlich an dein altes, schüchternes ICH, das nur nicht auffallen möchte.
Frag dich: "
"Ist das die selbstbewusste, moderne Frau, die ich sein möchte?" oder: "Würde ich so gern spontan einer Person begegnen, die mir wichtig ist? Wäre ich dann stolz auf mich?"

Dein Outfit ist Self-Care

Dir Zeit für dein Outfit zu nehmen, ist keine Eitelkeit. Es ist die Art zu sagen: "Ich bin es wert, gesehen zu werden."
Kannst du dir vorstellen, wie schön es dich anfühlt, wenn du morgens in den Spiegel schaust und denkst: "Genau so! Das bin ich!"? Neue, modernere Kleidungsstücke können sich anfangs ungewohnt anfühlen. Sehen wir das doch als positives Zeichen: Du wächst und zeigst das der Welt auch.

Mehr Style-Tipps findest du hier auf dem Blog. Z. B.:
"Modern, feminin, elegant stylen in 5 Schritten" kostenloser Style-Guide zum Herunterladen.
"Outfits kombinieren, 3 Prinzipen die du sofort umsetzen kannst."

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